Allgemeines zur emotionalen Erschöpfung / Burnout / Depression / psychosomatischen Störungen

 


Die Depression ist der Arbeitsunfall der Moderne geworden – rund 20% der Bevölkerung erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression, mindestens 5% sind behandlungsbedürftig - die Dunkelziffer ist jedoch hoch. Es sind gerade die Menschen besonders gefährdet, an einem Burn-out oder einer Depression zu erkranken, die in gesunden Zeiten oft sehr leistungsstark, verantwortungsbewusst, loyal und ehrgeizig sind (Hang zum Perfektionismus). Das ist der Druck: sehr hohe Verantwortung, großes Arbeitspensum, harte Qualitätsanforderungen, knappe Zeitlimits, schnelles Umstellungs-Erfordernis, mangelhafte Abgrenzungsmöglichkeiten, Arbeitsplatzunsicherheit, Kommunikationsprobleme, Konflikte mit Kollegen/ Vorgesetzten. Aber Stress alleine macht noch keinen Burn-out!

 

Die moderne Welt ist zunehmend geprägt durch Orientierungslosigkeit, es fehlen Referenz-/ Grundwerte und Leitbilder/ -figuren. Gleichzeitig herrscht ein hoher Druck vor, möglichst viel und möglichst nur das Beste für sich zu ergattern. Die beständige Spannung zwischen Möglichem und Verpasstem setzt den Menschen unter Dauerdruck => die Erschöpfungsspirale ist in Gang gesetzt!  Zudem gibt es häufig keine einbindenden bzw. stützenden Gruppen- und Familienstrukturen, der soziale Kontext wird immer weiter ausgedünnt – die Arbeitswelt ist bilanzorientiert, die emotionalen Bedürfnisse sind ausgeblendet. Eine Sinnentleerung führt zur emotionalen Verflachung - der Mensch sucht krampfhaft Bestätigung ersatzweise in Arbeit und Konsum. Oftmals werden die Rollenerwartungen zudem tief enttäuscht. Geben Freunde oder Bekannte Hinweise/ Ratschläge oder Anregungen kürzer zu treten, werden diese seitens des Betroffenen aufgrund des inneren Drucks meist als Kritik erlebt. Dazu kommt häufig die Einstellung: ich würde ja gerne etwas weniger arbeiten, aber die Umstände zwingen dazu (Sachzwang). Die Anforderungen scheinen unabänderlich, man vertröstet sich auf bessere Zeiten, die ja bald kommen werden. Oft ermangelt es an Abgrenzung, was durch ein angeschlagenes Selbstwertgefühl bedingt ist. Es entsteht ein sich selbst verstärkender Teufelskreis. Die Grenze kommt erst von außen: oft mit einem dramatischen Knall.

 

Manchmal kann uns schon das Wissen um die Balance und emotionale Ausgeglichenheit helfen, dem Teufelskreis einer Erschöpfungsspirale zu entschlüpfen. Unsere Bewusstheit und Achtsamkeit mag uns ermahnen, nicht in Alkohol oder Hyperaktivität (exzessiver Sport...) zu flüchten. Hier hilft, unsere Grenzen aufzuspüren, wahrzunehmen und uns zu gestatten, diese auch zu vertreten. Dann können wir uns auch erfolgreich den potentiell unersättlichen, an uns gestellten Anforderungen erwehren. Ziel ist es also:

  • achtsam mit uns selbst umzugehen,
  • Stress, Krisenherde und Dauerbelastung zu erkennen und ernst zu nehmen sowie
  • den Stresssymptomen wirksam entgegenzutreten bzw. mit ihnen umzugehen.

 

Stress alleine zeichnet natürlich noch kein Burnout aus. Zu dessen Entstehung muss noch einiges Auslösendes hinzukommen. Das Burnout-Syndrom wird speziell durch die sogenannte „Vulnerabilität“  begünstigt, und genau diese Verletzbarkeit gilt es, mit Ausbau der seelischen Widerstandskraft (Resilienz) zu reduzieren. Hinzu kommt im Verlauf eine tatsächliche abnehmende Leistungsfähigkeit und die subjektive Leistungs-Unzufriedenheit. Burn-out selbst ist der Endpunkt einer Entwicklungsstrecke, die eine Depersonalisation hervorbringt (Symptomatik):

  • gefühllose, gleichgültige Einstellung
  • emotionale Abgestumpftheit
  • sarkastische und zynische Haltung
  • Maske der Unantastbarkeit
  • Schuldgefühle
  • Perfektionismus

 

Es gibt drei grundlegende Formen, mit dem Burnout umzugehen, ideal ist sicherlich eine Kombination:

  • psychologisch (psychotherapeutische Aufarbeitung der Grundlagen/ Erkennen eigener Anteile)
  • psycho-pharmakologisch (medizinischer Umgang mit dem Syndrom)
  • gesundheitsorientierte persönliche Neuorientierung